Offene Eingangsstufe

Offene Eingangsstufe - Gemeinsam Stark

Der Hellweger Anzeiger berichtet am 09.08.2007:

Ältere helfen den Jüngeren

In der Preinschule in Oberaden werden Erst- und Zweitklässler fast ausschließlich gemeinsam unterrichtet – mit Erfolg.

Gemeinsam Stark!

Von Michael Dörlemann


Wenn man Lehrerin Margret Burkhardt-Kasten nach ihren Erst- und Zweitklässlern fragt, dann kann man kaum glauben was man hört: Rangeleien und Streitigkeiten gibt es so gut wie nie, das Chaos bei der Kakao-Ausgabe gehört der Vergangenheit an und die Größeren helfen den Kleineren. Die Preinschule war im vergangenen Jahr die erste und einzige Bergkamener Schule, die die Möglichkeiten der neu geschaffenen „Schuleingangsphase“ konsequent genutzt hat. Die gesetzliche Grundlage sieht vor, dass die Erst- und die Zweitklässler miteinander in Kontakt kommen sollen. „Wie stark, das bleibt bisher den Schulen selbst überlassen“, erklärt Schulleiterin Regina Kesting. „Das kann vom gemeinsamen Förder- oder Religionsunterricht für ein bis zwei Stunden in der Woche bis zum komplett gemeinsamen Unterricht reichen.“ Die Preinschule entschied sich für die zweite Möglichkeit. Bis auf wenige Ausnahmen werden Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet. Auch die Klassen sind so zusammengesetzt: Zu allen gehören gleich viele Erst- und Zweitklässler. Probleme macht das nicht, wie die Klassenlehrerin erklärt. „Wir haben für alle Kinder das gleiche Thema, aber unterschiedliche Anforderungen.“ Zu Bildern, die im Deutschunterricht gezeigt werden, schreiben die Kleinen zum Beispiel einzelne Worte und die Großen schon eine Geschichte. Die Kinder werden nicht nur gemeinsam unterrichtet, sie bekommen auch ganz gezielt Verantwortung füreinander übertragen. Jeder Zweitklässler wird der Pate eines Erstklässlers, um den er sich ganz persönlich kümmert. Den ersten Erfolg hat Margret Burkhardt-Kasten schon am Dienstag wieder bei der Einschulung der Erstklässler gesehen. Die Zweitklässler nahmen ihr „Patenkind“ an die Hand und brachten es zum Platz, halfen die Schulmappe auszupacken und blieben neben dem kleineren Kind sitzen. „Kein Kind hat bei der Einschulung geweint. Das war in den Jahren vorher auch schon anders“, sagt sie. Diese Patenschaft hat nicht nur Vorteile für die Patenkinder – auch das Sozialverhalten der Paten wird deutlich verbessert. Vorteile sieht Burkhardt-Kasten auch für das Lernen selbst. Die Erstklässler lernen schneller, weil sie von den älteren Kindern unterstützt werden – und die Zweitklässler legen sich schon allein deshalb ins Zeug, weil sie sich vor den Kleineren keine Blöße geben wollen. Für die Lehrerinnen ist es logisch, dass eine altersgemischte Gruppe besser ist. „In allen gesellschaftlichen Gruppierungen ist es so, dass Ältere und Jüngere zusammen leben und voneinander lernen“, sagt Regina Kesting. „Nur wir in der Schule schaffen künstlich eine Gruppe mit lauter Gleichaltrigen.“

Schüler/innen sitzen im Stuhlkreis mit Lehrerin zusammen

Gutes Modell für alle
Die Eingangsphase, wie sie in der Preinschule praktiziert wird, bietet auch für lernschwächere Schüler bessere Möglichkeiten, Stoff zu wiederholen – falls das in zwei Jahren nicht geht, ohne dass sie in eine völlig neue Klasse kommen und als „Sitzenbleiber“ dastehen. „Wenn die Schuleingangsphase bei einem Schüler drei statt zwei Jahre dauert ist das nicht so schlimm für ihn“, erklärt die Klassenlehrerin, „denn zumindest die Hälfte seiner Klasse kennt er ja schon.“ Probleme für die gesamte Schullaufbahn sieht sie ohnehin nicht, wenn ein Schüler am Anfang längere Zeit zum Lernen benötigt. „In diesem Alter sind Lernschwächen fast immer nur eine Entwicklungsfrage“, so die Schulleiterin. Mit anderen Worten: die Lernschwäche wächst sich meist einfach aus. Vorteile hat das Modell auch für die Kinder, die schneller lernen. „Ihnen fällt der Sprung vom ersten ins dritte Schuljahr leichter, weil sie ihre Mitschüler ebenfalls schon kennen“, so Burkhardt-Kasten. Außerdem können sie leichter dorthin geführt werden – sie machen dann einfach die Aufgaben für die Zweitklässler mit.

 

Weniger Wechsel
Die Preinschule entschied sich für den komplett gemeinsamen Unterricht, weil die Schüler nicht ständig den Klassenraum wechseln sollten. „Wir wollten nicht einen Betrieb wie an der Universität, wo man immer den Raum suchen muss, in dem man unterrichtet wird“, sagt Regina Kesting. Die Schuleingangsphase startete 2006 mit fünf Klassen mit jeweils 22 Schülern. Weil 2007 weniger Schüler eingeschult wurden, sind es diesmal vier Klassen mit 26 Schülern.

Aktualisiert: 21.09.2009

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